Eine kleine Marienkapelle, ein
großer Wallfahrtsort und eine weltweite apostolische Bewegung - das ist
Schönstatt, ein Ortsteil von Vallendar am Rhein. Gründer der Schönstattbewegung,
die hier ihren Ursprungsort hat, ist Pater Josef Kentenich. Zusammen mit Jugendlichen
der Marianischen Kongregation schloss er 1914 in dieser Kapelle ein Liebesbündnis
mit Maria.
Auch wenn die heutige Geschichte
des Gnadenortes Schönstatt erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts anfängt,
so reichen dessen Wurzeln doch weit in die Vergangenheit zurück. Der Name
"eyne schoene Stat" ist bereits 1143 erwähnt. Im Mittelalter wurde
hier ein Kloster der Augustinerinnen errichtet mit einer Basilika, die "Unserer
Lieben Frau" geweiht war. Davon steht heute noch ein Turm. Zum Kloster gehörte
eine Friedhofskapelle, erstmals 1319 erwähnt. Sie wurde mehrmals zerstört,
aber wieder aufgebaut. Seit 1914 ist diese Kapelle die Gnadenkapelle von Schönstatt.
1901 erwarben die Pallottiner das Gelände in Schönstatt und verlegten
einen Teil ihrer Missionsschule von Ehrenbreitstein nach Schönstatt. Im Frühjahr
1911 wurde ein neues Studienheim, die heutige Theologische Hochschule, gebaut.
Alle Schüler zogen von Ehrenbreitstein nach Schönstatt um. 1912 begann
mit der Ernennung Pater Kentenichs zum Spiritual eine neue Epoche.
Sein Erziehungsleitgedanke
lautete: "Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen
zu festen, freien, priesterlichen Charakteren."
Ein
neuer Anfang
Am 18. Oktober 1914 hielt Pater Kentenich in der damaligen
Michaelskapelle - heute "Urheiligtum" genannt - einen Vortrag vor seinen
Schülern, der später als "Gründungsurkunde" Schönstatts
bezeichnet wurde. "Wäre es nun nicht möglich, dass unser Kongregationskapellchen
zugleich unser Tabor würde, auf dem sich die Herrlichkeit Mariens offenbarte?
Eine größere apostolische Tat können wir ohne Zweifel nicht vollbringen,
ein kostbareres Erbe unseren Nachfolgern nicht zurücklassen, als wenn wir
unsere Herrin und Gebieterin bewegen, hier in besonderer Weise ihren Thron aufzuschlagen,
ihre Schätze auszuteilen und Wunder der Gnade zu wirken."
Schon
damals wurde deutlich, was dem Wallfahrtsort Schönstatt sein Gepräge
gibt: Maria lädt den Pilger, der zu ihr ins Schönstattheiligtum kommt,
zu einer Lebensgemeinschaft mit ihr ein.
Sie vermittelt seine liebevolle
und spürbare Zuwendung zu einem jeden persönlich - die Gnade der
seelischen Beheimatung.
Sie hilft aus ganzem Herzen Gott und die Menschen
zu lieben und nach zeitgemäßer Heiligkeit zu streben - die Gnade
der seelischen Umwandlung.
Sie weckt missionarischen Einsatz, die Welt
in der Liebe Christi umzugestalten - die Gnade der apostolischen Fruchtbarkeit.
Maria,
die Mutter Gottes und die Mutter des Erlösers, erweist sich so als Mutter
der erlösten Menschen, als "Dreimal Wunderbare Mutter" (MTA - Mater
ter admirabilis).
Dieser Titel, ursprünglich durch den Jesuiten Jakob
Rem im 17. Jahrhundert geprägt, erfuhr in Schönstatt eine Verlebendigung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der bestandenen Prüfung durch die Kirche wurde
er von Pater Kentenich erweitert. Seither wird Maria als die "Dreimal Wunderbare
Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt" verehrt. Ihr Bild
ist in der ganzen Welt verbreitet. Weltweit gibt es heute in über neunzig
Ländern Millionen Gläubige, die mit Schönstatt in Verbindung stehen
und aus dem Liebesbündnis ihren Alltag christlich gestalten.